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Hefte zu Repräsentation, Beteiligung und Gemeinwesen

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Politische Bildung

Bildungsurlaub für politische Bildung: Wer Anspruch hat und wie man ihn nutzt

Redaktion Netz vier,

Bildungsurlaub ist bezahlte Freistellung für anerkannte Weiterbildung, auch für politische Bildung; einen gesetzlichen Anspruch gibt es derzeit in 14 von 16 Bundesländern, Sachsen folgt zum 1. Januar 2027, Bayern bleibt danach als einziges Land ohne Gesetz Deutscher Gewerkschaftsbund1. In Berlin beträgt der Anspruch fünf Arbeitstage im Jahr, zusammenlegbar auf zehn Tage BiZeitG Berlin2.

Eckdaten

PunktBefundBeleg
Länder mit Anspruch14 von 16; Sachsen ab 1. Januar 2027 („Qualifizierungszeit“)Deutscher Gewerkschaftsbund
Ohne gesetzlichen AnspruchBayern (ab 2027 als einziges Land)Deutscher Gewerkschaftsbund
Beispiel Berlin5 Arbeitstage pro Kalenderjahr, zusammenlegbar auf 10; erstmals nach 6 Monaten BeschäftigungBiZeitG Berlin
Zwecke in BerlinPolitische Bildung, berufliche Weiterbildung, Qualifizierung für das EhrenamtBiZeitG Berlin

Was ist Bildungsurlaub?

Bildungsurlaub ist eine bezahlte Freistellung von der Arbeit, um an einer anerkannten Weiterbildung teilzunehmen. Er wird zusätzlich zum Erholungsurlaub gewährt, und die Weiterbildung muss nicht zwingend mit dem eigenen Beruf zusammenhängen Deutscher Gewerkschaftsbund1. Viele Länder nennen ihn heute Bildungszeit oder Bildungsfreistellung.

Wer mehrtägige Seminare zur Demokratie besuchen will, stößt schnell auf ein praktisches Hindernis: die Arbeitszeit. Wir beantworten deshalb die Frage, die sich jeder stellt, der mehrere Tage politische Bildung in den Arbeitsalltag einbauen will: Habe ich Anspruch auf Freistellung?

In welchen Ländern gibt es einen Anspruch?

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es derzeit in 14 von 16 Bundesländern Deutscher Gewerkschaftsbund1. Ab dem 1. Januar 2027 kommt Sachsen mit einer sogenannten Qualifizierungszeit hinzu; der Landtag beschloss das Gesetz im Februar 2026 nach einem Volksantrag Deutscher Gewerkschaftsbund1. Bayern ist damit ab 2027 das einzige Land ohne gesetzlichen Anspruch Deutscher Gewerkschaftsbund1. Dort können sich Ansprüche nur aus Tarifvertrag, Betriebsvereinbarung oder Arbeitsvertrag ergeben.

Üblich sind fünf Tage pro Jahr oder zehn Tage in zwei Jahren Deutscher Gewerkschaftsbund1. Die Einzelheiten unterscheiden sich von Land zu Land, etwa bei Wartezeiten, Ankündigungsfristen und Ausnahmen für kleine Betriebe.

Wie ist es am Beispiel Berlin geregelt?

Das Berliner Bildungszeitgesetz vom 5. Juli 2021 zeigt typische Regeln. Der Anspruch beträgt fünf Arbeitstage im Kalenderjahr bei einer Fünf-Tage-Woche; im Vorgriff auf das folgende Jahr kann er auf zehn Arbeitstage zusammengelegt werden BiZeitG Berlin2. Wer mehr oder weniger als fünf Tage in der Woche arbeitet, erhält entsprechend mehr oder weniger Tage BiZeitG Berlin2. Erstmals entsteht der Anspruch nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses BiZeitG Berlin2.

Die Bildungszeit kann in Berlin für drei Zwecke genutzt werden: politische Bildung, berufliche Weiterbildung und die Qualifizierung für ehrenamtliche Tätigkeiten BiZeitG Berlin2. Die Veranstaltungen müssen anerkannt sein; für bestimmte Schulungen ist die Berliner Landeszentrale für politische Bildung zuständig Berliner Landeszentrale für politische Bildung3.

Regel Berlin (BiZeitG)
Anspruch 5 Arbeitstage pro Kalenderjahr
Zusammenlegung Auf 10 Arbeitstage im Vorgriff auf das Folgejahr
Wartezeit 6 Monate Beschäftigung oder Ausbildung
Zwecke Politische Bildung, berufliche Weiterbildung, Ehrenamtsqualifizierung

Wer hat Anspruch?

Anspruch haben in der Regel Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Auszubildende; die Länder ziehen den Kreis unterschiedlich weit. Für das künftige sächsische Gesetz nennt der Deutsche Gewerkschaftsbund etwa Arbeitnehmer, Auszubildende, Studierende im dualen Studium, arbeitnehmerähnliche Personen, Beschäftigte in Werkstätten für behinderte Menschen sowie Beamte und Richter; der Anspruch entsteht erstmals nach sechs Monaten Beschäftigung oder Ausbildung Deutscher Gewerkschaftsbund1. Selbstständige haben keinen Anspruch, weil es keinen Arbeitgeber gibt, der freistellen müsste. Wer unsicher ist, sollte das Gesetz des eigenen Landes lesen; die Länder veröffentlichen es auf ihren Rechtsportalen.

Wie beantragt man Bildungsurlaub?

Der Weg ist in allen Ländern ähnlich: Zuerst sucht man eine Veranstaltung, die im eigenen Bundesland als Bildungsurlaub anerkannt ist; viele Volkshochschulen und Träger politischer Bildung kennzeichnen solche Angebote. Dann beantragt man die Freistellung rechtzeitig schriftlich beim Arbeitgeber, mit der Anerkennungsbescheinigung. Maßgeblich ist das Recht des Landes, in dem der Arbeitsplatz liegt, nicht der Ort der Veranstaltung.

Die Seminarkosten trägt in der Regel die teilnehmende Person, der Arbeitgeber zahlt das Entgelt weiter Deutscher Gewerkschaftsbund1. Ein Arbeitgeber kann den Antrag nur aus Gründen ablehnen, die das jeweilige Landesgesetz vorsieht, etwa dringende betriebliche Belange.

Hilfreich ist es, den Antrag mit Seminarprogramm und Anerkennungsnachweis einzureichen und eine Kopie aufzubewahren. Nach dem Seminar stellt der Veranstalter in der Regel eine Teilnahmebescheinigung aus, die man dem Arbeitgeber vorlegt.

Wichtig ist auch die Frist: Nach dem Deutschen Gewerkschaftsbund muss der Antrag in der Regel 4 bis 9 Wochen vor Beginn eingereicht werden Deutscher Gewerkschaftsbund1; das Berliner Gesetz verlangt grundsätzlich sechs Wochen BiZeitG Berlin2. Wer die Frist versäumt, riskiert eine Ablehnung, auch wenn das Seminar anerkannt ist.

Welche Seminare eignen sich für politische Bildung?

Für politische Bildung eignen sich Seminare, die über mehrere Tage ein Thema vertiefen: Wochenseminare zu Verfassung und Parlament, Studienfahrten in den Bundestag oder ein Landesparlament, Kurse zu Medienkompetenz und Desinformation oder Seminare zu europäischer Politik. Anbieter sind Volkshochschulen, Bildungswerke von Gewerkschaften und Kirchen, politische Stiftungen und Heimvolkshochschulen. Einen Überblick über die Träger der Erwachsenenbildung gibt der Beitrag über Volkshochschulen.

Anmerkungen und Belege

  1. Deutscher Gewerkschaftsbund: Bildungsurlaub: Anspruch, Antrag und Regeln in den Bundesländern. dgb.de/service/ratgeber/bildungsurlaub, eingesehen am 02.10.2026.
  2. BiZeitG Berlin — Senatsverwaltung für Arbeit, Berlin (2021): Berliner Bildungszeitgesetz (BiZeitG) vom 5. Juli 2021. berlin.de/sen/arbeit/weiterbildung/bildungszeit…, eingesehen am 02.10.2026.
  3. Berliner Landeszentrale für politische Bildung: Bildungszeit. berlin.de/politische-bildung/bildungspraxis/bil…, eingesehen am 02.10.2026.

Nachgefragt

Habe ich Anspruch auf Bildungsurlaub für ein politisches Seminar?

In den meisten Ländern ja, wenn die Veranstaltung anerkannt ist. In Berlin etwa umfasst die Bildungszeit ausdrücklich politische Bildung, berufliche Weiterbildung und die Qualifizierung für ehrenamtliche Tätigkeiten BiZeitG Berlin2.

Wie viele Tage Bildungsurlaub gibt es?

Meist fünf Arbeitstage pro Jahr oder zehn Tage in zwei Jahren Deutscher Gewerkschaftsbund1. Das Berliner Gesetz sieht fünf Arbeitstage im Kalenderjahr vor, die im Vorgriff auf das Folgejahr auf zehn zusammengelegt werden können BiZeitG Berlin2.

Gibt es in Bayern Bildungsurlaub?

Einen gesetzlichen Anspruch gibt es in Bayern nicht; ab 2027 ist Bayern das letzte Land ohne entsprechendes Gesetz Deutscher Gewerkschaftsbund1. Ansprüche können sich aber aus Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder dem Arbeitsvertrag ergeben.

Wird Bildungsurlaub vom Urlaub abgezogen?

Bildungsurlaub kommt zum Erholungsurlaub hinzu und wird nicht von ihm abgezogen; das Arbeitsentgelt läuft weiter Deutscher Gewerkschaftsbund1.